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Prominente
zum Volksenscheid am 4. Juli 2010 in Bayern:
 Höchste
Zeit für ein Rauchzeichen
Die
Verfolgung von Minderheiten verläuft zwar jedesmal anders,
aber die Minderheiten selbst hatten stets eine Gemeinsamkeit: Sie
waren und sind selten wirklich bedrohlich, doch eine Regierung -
oder eine bestimmte Gruppierung - kann die Mehrheit davon
überzeugen, dass sie dennoch eine „Gefahr“ für
die Allgemeinheit darstellen, vor der man das Volk „schützen“
müsse. Die Mehrheiten selbst freilich sind sich selten
darüber bewusst, dass sie Unrecht tun – man schützt
sich ja nur vor der Gefahr. Derzeit wird der Satz
„Passivrauch ist gesundheitsschädlich, darüber
sind sich die Experten einig“ millionenfach durch die Medien
geschleudert. Dabei sind sich die Experten alles andere als einig.
Die überragende Mehrzahl der Studien nämlich konnte
genau dies nicht
beweisen. Trotzdem soll uns diese Seite der Medaille
offenbar nicht zugemutet werden. Es sei damit nicht
etwa die Behauptung aufgestellt, Passivrauch sei regelrecht
gesund. Bloß, er ist nun einmal nicht ungesünder als
hunderte von Stoffen, von denen wir im Alltag umgeben sind, und
die merkwürdigerweise nicht derart verteufelt werden. Mutet
es nicht absurd an, wenn an manchen großen Straßen
abertausende Autos in einer Stunde vorbeirasen, und man nicht sie,
sondern den einsamen Raucher an der Bushaltestelle verbietet?
Sicherlich, manche Leute fühlten sich immer vom
Tabakrauch belästigt, und in den letzten zwei Jahrzehnten ist
deren Zahl enorm gestiegen. Man fühlt sich sogar schon vom
Essensgeruch gestört: In den Wiener Trambahnen ist es
verboten zu essen. Die Begründung lautet, „1
Leberkäs-Esser, 40 Mitriecher!“ – nun, in den
meisten Ländern außerhalb des übersättigten
Westens hat man ganz andere Sorgen. Wieviele Gerüche und
Gewohnheiten müssten verboten werden, weil sich jemand davon
belästigt fühlt? Möge man nun an die
Schädlichkeit des Passivrauchs glauben oder nicht, sich
belästigt fühlen oder nicht – fest steht: In der
Gastronomie stehen den Nichtrauchern mittlerweile über 85 bis
90 Prozent der Gastflächen zur Verfügung, in anderen
öffentlich zugänglichen Räumen nahezu 100 Prozent.
Von Gefahr kann hier nun wirklich nicht mehr die Rede sein. Die
derzeitige Lösung ist eine, mit der alle Menschen leben
können, die guten Willens sind. Wenn Sie aber
glauben, alle Raucher sind Feinde, die bestraft oder gar
ausgerottet werden müssen, und daher auch vor solchen Lokalen
frieren sollen, die Sie selber nie betreten würden, dann
werden wir Sie wohl nicht davon abhalten können, für das
totale Verbot zu stimmen. Vielleicht freuen Sie sich
darüber: Brüssel empfiehlt Hotlines für
Raucherdenunzierungen, und dort, wo das totale Rauchverbot in der
Gastronomie schon herrscht, werden neue Verbote beschlossen: in
Parks, auf Gehsteigen und sogar in den eigenen vier Wänden.
Doch auch gegen Alkohol, Parfum und angeblich ungesundes Essen
wird bereits mobil gemacht. Sie mögen als Nichtraucher für
das totale Rauchverbot sein, morgen ist aber vielleicht Ihre
Lieblingsgewohnheit dran. Das neue Gesundheits- und
Sicherheitsmittelalter mag tolle Einkaufszentren haben, wir wollen
es trotzdem nicht. Wenn Sie sich auch dagegen wehren wollen, ehe
es zu spät ist, stimmen Sie am 4. Juli beim Volksentscheid
mit einem klaren NEIN zum totalen Rauchverbot.
Unterzeichner:
Herta
Müller Literaturpreisträgerin
Harry Rowohlt Schriftsteller
Joe
Jackson Musiker
Benjamin von Mallinckrodt
Produzent
Maurus Pacher Autor
Zé do Rock Schriftsteller
Robert
Flörke Produzent
Juli Zeh
Schriftstellerin
Paul Wühr
Schriftsteller
Manfred Grunert Regisseur
Martin Hans Schmitt Regisseur
Katja
Flint Schauspielerin
Joseph von Westphalen
Schriftsteller
Matthias Politycki
Schriftsteller
Max Tidof Schauspieler
Ernest Wichner Schriftsteller, Leiter des
Berliner Literaturhauses
Asta Scheib
Schriftstellerin
Peter Patzak Regisseur
Marc Rothemund Regisseur
Richard
Blank Regisseur
Ilija Trojanow
Schriftsteller
Dominik Graf Regisseur
Konstantin Wecker Musiker
(Etwa
ein Drittel der Unterzeichner sind Nichtraucher.)
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