JETZ
MAU, FRÜER MAUER
Coppyrite Zé do
Rock, coppyrong auch Zé do Rock
Gell, heutzutage is eigentlich alles vil besser als vor der wende: die ossis dürfen an jeder ecke big mäcs essen und nach Mallorca und auf die Malediven jetten, wenn sie das geld ham, und die meisten deutschis können heutzutage zwischen 30 tv-programmen wälen und bald hat auch schon jedes bebi ein händi mit sms-funkzion.
Ob Muppet Show
Krenz auch so eine auswal hat, weiss ich nich, auf alle fälle stand der mann
früer vor der mauer, jetz sitzt er hinter der mauer. Und darf nich raus. Er war
der mann, der den befeel gab, die mauer zu öffnen, obwol sie schon one sein
zutun halb geöffnet war. Man könnte auch sagen, das er immerhin nich den befeel
gab, zu schiessen und ein neues Tien An Men zu verursachen, als das eine
mögliche reakzion gewesen wär. Die bundesdeutschen justizbehörden sen das nich
als ein heldenhaften akt, und das se ich auch nich so. Weil die politischen
umstände ihn naezu dazu zwangen, es zu tun. Was mich von den bundesdeutschen
behörden unterscheidet, is die tatsache, das ich politikis als menschen se, die
dauernd dazu gezwungen sind, eine politik mitzutragen, mit der sie nich
unbedingt einverstanden sind. Das heisst, Krenz war gezwungen, eine
"heldenhafte" politik zu betreiben, weil ihn die umstände dazu
zwangen, und er war früer gezwungen, eine weniger heldenhafte politik
mitzutragen, weil ihn die umstände dazu zwangen. Die deutsche justiz widerum
(wie auch warscheinlich die merheit der westdeutschen burgis, warscheinlich
auch der ostdeutschen) will liber die guten taten umständebedingt sen, nich
aber die schlechten.
Ein held war er nich. Ich wär warscheinlich auch keiner gewesen. Das zeug zum helden ham nur wenige, und man kann leute nich für heldentumsmangel verurteilen. Und was ein held is, bleibt relativ: wenn eine teroristigruppe die ganze DDR-fürungsrige übern haufen geschossen hätte, wären sie drüben teroristis und im westen heldis gewesen. Wenn die DDR stärker als die BRD gewesen und hir einmarschiert wär, würden vileicht Baader und Meinhof ein denkmal krigen.
Politikis widerum
sind anpassungsfäige menschen par excellence, und wers nich is, steigt gar nich
erst in die politik ein. Ausser man is so einer wie Fidel Castro,
secretario-general del Partido Comunista Cubano und Comandante-en-Jefe de las
Fuerzas Armadas Revolucionarias, oder einfach das wort für 'geigenkasten' auf
cubanisch: der hat mit eim dutzend gerilieris die macht in Cuba an sich
gerissen und seitdem macht er wenig kompromisse. Dafür kann sein volk keine
äpfel oder austern in aspik essen (isst man überhaupt austern in aspik?) und
hat keine 30 tv-programme zur auswal. Was die cubis vileicht auch nich hätten
wenn Castro nich dagewesen wär...
Sonst sind aber politikis menschen die verhandeln, die
versuchen so wenig wie möglich preiszugeben aber doch genug, um eine einigung
zu erreichen. Das kann wenig sein oder auch extrem vil. Dadurch, das sie die
aussenwelt, die lobbys im eigenen land und das volk berücksichtigen müssen,
sind bei einer optimalen einigung alle gruppen relativ gleich unzufriden,
weshalb die meisten politikis in diser welt nich besonders populär sind. Ein
politiki kann gegen oder für eine statsform oder regirung sein: wenn er dafür
is, wird er versuchen normal hochzukommen, wenn er dagegen is, wird er
versuchen, oposizion zu betreiben und hoffen, das sich der stat verbessert. So
in west wie in (ex-)ost. Im osten gab es keine ofizielle oposizion, aber man
konnte sicher oposizion innerhalb der partei betreiben, wenn man nich das ganze
sistem in frage stellte. Keine firma und keine partei lebt one streit in den
eigenen reien. Und streit is oposizion.
Die große sünde
der otdeutschen politikis war die mauer und ire schützis. Sie hatten aber keine
wirkliche alternative. Kein land kann es sich leisten, eine ganze bevölkerung
auszubilden, wenn die halbe bevölkerung danach auswandert. Man könnte zum
beispil einwenden, Jugoslavien hat es damals gut hingekriegt. Aber dafür musste
sich das land relativ liberalisiren und verwestlichen. Das war bei den jugos
drin, weil ire regirung nich von Stalin eingesetzt worden war, nich aber in der
DDR. Noch entscheidender war, das Deutschland und andre westliche länder gar
nich so interessiert waren, vile jugoslavis zu beherbergen, wärend ostdeutschis
nur über die grenze mussten, um am näxten tag ein westdeutschen pass und etwas
taschengeld zu haben. Die sprache war auch die gleiche, auch wenn manche
ostdialekte nich besonders beliebt waren und sind.
Republikfluchtis ham der DDR geschadet. Wenn es 2 oder 3 gewesen wären, wär es kein problem, aber es waren mer. Nich nur waren sie dem stat die ausbildung schuldig, sie würden auch noch im ausland erzälen, ir land is beschissen, wenn sie schon republikflüchtis waren. Staten gen meistens zimlich rüppig mit iren feinden um, man vergleiche nur in der BRD die lächerlichen haftstrafen, die normale verbrechis aufgebrummt krigen, und die haftstrafen für teroristis, die nie wider ein sonnenuntergang one gitter sen werden. Die BRD hat keine todesstrafe und schiessen is nur in den äussersten fällen erlaubt, aber auf kriminellis, die versuchen, dem gefängnis zu entkommen, wird auch in vilen fällen geschossen. Und was in der eigenen vergangenheit geschossen wurde, wird weitgeend ignoriert. Das naziregime war vileicht für den tod von 10 milionen menschen verantwortlich, die DDR für ein par hundert, vileicht tausend. In der zal der verurteilungen war das verhältnis praktisch umgekeert. Manche desertis aus der Wehrmacht kämpfen immer noch um ire rehabilitirung. Wärend ausländische desertis, egal ob aus eim rechts- oder unrechtsstat, kein asylrecht ham. Damit wird impliziert, das desertis kriminellis sind und nur der gerechten bestrafung entkommen wollen. Nur für die DDR funkzioniert die hisige moral anders rum: da waren desertis helden und nicht-desertis quasi kriminellis. Auch andre länder sen das mit dem töten nich so eng: in den USA werden fast täglich menschen ins jenseits geschickt, einige davon sogar one schuld. Im heutigen demokratischen Brasilien wird immer wider auf landlosis und leute geschossen, die sich mit dem sistem in irgendwelcher weise anlegen.
Ich hatte ein
brasilianischen freund, der wirtschaftsprofessor an der uni war. Er bekam
wärend der militärdiktatur vom Wirtschaftsministerium ein hoen posten
angeboten. Er ging natürlich hin: er war zwar warlich kein befürworto der
damaligen diktatur (oder demokratur, wie vile es nannten) aber er bekam mer
geld, und er fülte sich kompetent genug, zu einer verbesserung der
brasilianischen lebensumstände beizutragen, wenn auch nich allzu vil. Sollte
man ihn belangen, wenn er tatsächlich zur besserung der wirtschaft beigetragen,
gleichzeitig aber einer militärregirung auf die beine geholfen hat? Was hätte
er tun sollen, wenn er es zum ministro gebracht hätte?
Ab wann is man komplize bei einer diktatur? Wenn man minister wird? Oder ein posten niedriger? Soll man ein mittleren amti verurteilen? Ein kleinen? Wenn auch die kleinen, dann muss man praktisch die ganze ostdeutsche bevölkerung belangen. Praktisch alle waren amtis. Wenn größere, ab wann macht sich ein mensch schuldig, indem er eine beförderung annimmt? Wievile fälle von amtis kennt man, die eine beförderung abgeleent ham, weil sie sich in eim unrechtsstat gefült ham?
OK, hat die
westdeutsche justiz beschlossen, schuldig wird man, wenn man ein schiessbefeel
unterschreibt. Als kunsti kann ich's mir leisten, idealist zu sein, und zu
sagen, kein einziger gewalttod is gerechtfertigt. Nie. So denk ich. Hätt ich
aber nich das zeug zum "kunsto" sondern zum politiko, dann könnt ich
kein kunsto sein und wäre wol oder übel ein politiko geworden. Wenn ich ein
politiko in der DDR, USA oder Brasilien gewesen wär, würd ich ser ungern ein
papir unterschreiben, das für den tod von menschen und anderen lebewesen (auch
hüner, rinder, usw) verantwortlich sein kann. Aber wenn ich meine arbeit als
finanz- oder kultusministro weiter machen wollte, weil ich glaubte, das ich sie
gut machen kann und das vilen menschen hilft, würd ich es mitunterschreiben,
egal ob in der DDR, USA oder Brasilien.
Aus
westlicher sicht hat man ein ganzes volk eingesperrt. Aus östlicher sicht hat
man dem eigenen volk die ausreise ins feindliche,
nich aber ins freundliche ausland verboten, wie auch die americanische
regirung iren burgis die ausreise nach Cuba verboten hat. Zugegeben, Cuba is
nich so groß, als das man es als americaner nich meiden könnte, aber von
Ostberlin bis Lissabon sind es vileicht 2.000 km, von Ostberlin bis Vladivostok
sicher über 10.000. Immerhin waren mer als halb Europa, halb Asien und ein par
inseln in andren kontinenten komunistisch.
Mancher leser
könnte einwenden, es wär doch alles ganz einfach gewesen: einfach zurück zum
kapitalismus und der braten is fertig (wie leicht es is, sit man jetz an den
eemaligen ostblockstaten). Abgeseen davon, das die russis es nich zugelassen
hätten, wär eine rückkeer zum kapitalismus nach 15 jaren komunistischem
experiment undenkbar.
Vile ostdeutsche politikis träumten ir ganzes leben von einer komunistischen utopie der gleichheit und gerechtigkeit, nich wenige saßen bei den nazis in KZ's für eben dise ideale, dann ham sie's endlich geschafft, iren traum auf deutschen boden zu verwirklichen, und 15 jare danach, weil es noch nich so richtig klappt, sollen sie ire träume aufgeben und mänager bei Höchst werden? Wie lange hatte der kapitalismus, um sich zu entwickeln? 200 jare? 500 jare? Und da will man ein neues sistem abschreiben, das grade erstmal 15 jare alt is und das naturgesetz des stärkeri auf den kopf stellt? In Russland war das experiment schon älter, aber Russland war auch von eim feudalen land in eine große industrienazion verwandelt worden. Versorgungsengpässe gabs, und was für welche, aber das konnte man leicht mit der zerstörungswut der deutschen truppen rechtfertigen, die die USA nie erreicht hat. Die russis ham immerhin den ersten menschen in den weltraum geschickt, die erste weltraumstazion errichtet und moslemische kopftuchfraun in Mittelasien zu ingeniöras gemacht.
Klar, ein sistem,
das Trabis statt Mercedes produziert, ein sistem, das leute nich ausreisen
lässt, kann nich gut sein. Wer behauptet hat, das andre sistem is besser und
sich nich vom argument beeindrucken lassen hat, die da drüben durften nich
einmal bananen essen, der hat böswillig gehandelt. Dabei hab ich leute gekannt
und geliebt, die an den komunismus glaubten und glauben, trotz aller grauheit
des ostens.
Sie sagen, der komunismus behandelte seine armen besser. Ja, sie verdienten weniger als arbeitslose hir, aber ire kaufkraft war größer. Ob es so tatsächlich war, wissen nur ein par statistikis. Sonst werden die meisten im westen one zalen behaupten, die arbeitslosen wessis waren besser dran, wärend menschen, die das andre sistem besser fanden, das gegenteil behaupten werden. Und beide werden erlich an ire behauptungen glauben. Keine frage, dise sozialistischen freunde wussten, das dissidentis misshandelt wurden. Manche argumentierten, das is ein preis, den man zalen muss, wenn man eine gerechtere gesellschaft wird, und hofften, das es bald besser wird. Und wenn man sich als dissident in der DDR unsicherer fülen musste, dann konnte sich wenigstens ein auslandi vil sicherer fülen als in der heutigen kapitalistischen BRD.
Man sagt
heutzutage, der kapitalismus hat den kampf gegen den komunismus gewonnen. Vile
würden 'demokratie' statt kapitalismus sagen, als wären nich vile, ser vile
länder kapitalistische diktaturen und es nich versuche gegeben hätte, ein
demokratischen sozialismus aufzubaun, wie in Chile und Nicaragua. Aber gerade
weil sie keine diktaturen waren, waren sie technisch angreifbarer und wurden
vom westlichen kapitalismus blutig nidergeschlagen. Der kapitalismus mag
gewonnen ham, das heisst aber nich, das das sigende sistem besser is. Wenn ich
eim wütenden profiboxo auf der straße begegne, kann ich versuchen, ihn zu
überzeugen, das gewalt nix bringt, aber wenn er mitten in meiner schönen rede
meine nase plattmacht und mich KO schlägt, heisst es nich, das er der bessere
mensch is.
Der kapitalismus folgt dem prinzip der natur, de stärkeri soll überleben. Er wird stärkere kinder zur welt bringen und inen besseres fleisch lifern. Aber de stärkeri is nich unbedingt der besseri, das mussten die dinosauris an der eigenen haut erfaren. Gegen sie hätte in eim nakampf zimlich jedes tir verloren, aber vile tire leben noch, die dinosauris nich mer.
Um es vorwek zu
nemen: ich glaube, das die soziale marktwirtschaft, wie sie in Deutschland
(immer weniger) gehandhabt wird, ein zimlich gutes sistem is. Mir persönlich
war der westen liber als der osten, aber ich betrachte meine meinung als eine
subjektive, nich als eine objektive warheit. Für beide seiten gab es argumente,
und die argumente der jeweils andren seite erschinen eim immer lächerlich. Aber
wie man es dret und wendet: das der kapitalismus eine gewisse
selbstzerstörerische kraft hat, geben auch vile menschen zu, die nie was für
den komunismus übrig hatten.
Zwischen Gorbatschow und Kohl galt die abmachung, das man keine DDR-oberen richten würde. Kohl hat es vergessen, der arme, mit seinen ganzen bläkauts. Verträge zwischen ost und west sind vor der vereinigung unterschriben worden, die besagen, das ostdeutschis nach ostdeutschem recht beurteilt werden sollten. Nun, jedes land hat eine ofizielle und eine reale verfassung, und allerweltsdelikte werden vil weniger geandet als nicht-allerweltsdelikte. Ser oft widersprechen sich gesetze, aber man weiss was gemeint is. So is in der DDR geurteilt worden, und so auch in der BRD. Der schiessbefeel war von der DDR-verfassung nich gedeckt, aber das Kanzler Schröder in ein neues haus in Berlin eingezogen is, war auch nich von der verfassung der BRD gedeckt. Eine verwaltungstechnische Maßname. Auch wurde in einigen fällen an der westdeutschen grenze geschossen, und ich glaub nich, das das von der verfassung gedeckt wär.
Das prinzip der
demokratie is, das ein mensch alles machen darf, was andren menschen nich
schadet. Raucht er aber ein joint, is er fällig, obwol er nimandem geschadet
hat. Also verstößt dises gesetz gegen das grundgesetz. Trotzdem würd ich nich
deutsche politikis verknacken wenn ich plötzlich die macht in Deutschland
hätte. Jetz wurde natürlich nach jedem paragraf und nach jedem felenden
paragraf gesucht, der den ex-feind belasten könnte. Hätte der osten den kampf
gegen den westen gewonnen, wären sicher SPD- und Grünen-politikis dran: sie ham
das gesetz gebrochen, das angriffskrige verbitet, ham ein fremdes land
überfallen und sind verantwortlich für den tod hunderter oder tausender
jugoslavis. Also keine frage, es handelt sich bei Schröder, Fischer und der
bürgerlichen oposizion (sie hat den einsatz auch gebilligt) um massenmordis.
Keine frage, solche gesetze kann man so oder so sen. Tut es ein freund, sit man
es in eim positiven licht. Tut es ein feind, dann natürlich ganz und gar nich.
Und wenn das negative licht metode hat, kann man sagen, das nich menschen,
sondern feinde gerichtet worden sind. Das nennt sich dann sigijustiz.
Natürlich, westdeutsche politiker würden argumentiren, in Jugoslavien handelte es sich um kein angriffskrig sondern um ein verteidigungskrig, man hat die albanische bevölkerung geschützt. Mit so eim argument würde sich aber jede krigstreibi verteidigen: man fürte ein angriffskrig, weil der feind grade angreifen wollte, oder weil burgis des eigenen landes im feindesland in gefar waren, usw.
Mauerschützis wurden
eingelocht, weil sie geschossen ham, obwol das nich vom DDR-gesetz gedeckt war.
Man stelle sich vor, BRD-polizis und -soldaten würden ein schiessbefeel krigen,
und verlangen, erstmal das Grundgesetzbuch lesen zu dürfen, bevor sie nach dem
befeel handeln. Nein, es is so, das ein diner des states davon ausgeet,
machthabis machen gesetze und geben dann die entsprechenden befele aus. In den
meisten fällen können sowieso nur juris die gesetze versteen, und über ire
auslegung besteet auch nich immer einigkeit. Deshalb krigen angeklagtis
automatisch ein anwalt, weil man davon ausgeet, das sie sich im gesetzjungel
nie und nimmer auskennen. Das verlangt man aber dann von DDR-grenzwachis, in
eim land, in dem das Gesetzbuch warscheinlich sowieso nich zu kaufen war.
Wenn kein DDR-gesetz gereicht hat, um den feind zu verurteilen, hat man sich auf höere, universelle, fast schon göttliche gesetze berufen. Töten is einfach ein unentschuldbares verbrechen. Ausser wenn es statlich verordnet und der stat ein gerechter stat is. So wie unserer halt.
Das DDR-gesetz so
auszulegen, das man leute verurteilen kann, is immerhin rechtlich unangreifbar.
Die gültigkeit von universellen gesetzen möcht ich nich bestreiten, wenn sie
nich grade gegen den eemaligen feind zum ersten mal und so massiv verwendet
worden wären.
Nu, bei den spionen hat weder das eine noch das andre gereicht, also nam man das westdeutsche gesetz, gegen alle abmachungen. Wenn bei den schiessbefelen die verurteilungen noch fragwürdig waren, so wurde die sigijustiz hir transparent.
Die heutige justiz
lebt mit 2 völlig widersprüchlichen prinzipien, die je nach umständen und
sympatien bevorzugt werden: das atavistische, alttestamentarische der
gut-und-böse-dualität, und das prinzip der sicherheit. Das erste sitzt
warscheinlich im stammhirn und besagt, das jeder, der eim schaden will, böse
is. Mach ma kaputt. So hat man früer mordis und oft auch dibe schnell
gesteinigt, abgefackelt oder aufgehängt, je nach verfügbarer technologie. Seit
hundert jaren beschäftigt man sich damit, die ursachen rauszufinden, die einen
zu eim gesetzesbrechi werden lassen. Man is auf vile ursachen gekommen,
perverser vater, alkoholabhängige mutter, schlechte freunde, ein genetischer
feler oder einfach blanke armut. De rechtsanwalt erklärt warum de mordi so eine
is, wärend de statsanwalt meint, de tati hat in böswilliger absicht gehandelt.
Er bleibt oft liber beim Alten Testament. De richti wiegt beide völlig
widersprüchlichen prinzipien auf, als würde man äpfel mit helium aufwigen, und
fällt sein urteil, das hart oder mild ausfallen kann, je nach sympatien für
tati, rechtsanwalt, statsanwalt und nach den gesetzen, die ihm zur verfügung
sten. Dabei könnte man nur nach dem neuen prinzip handeln: ja, den menschen
trifft keine schuld, er hat nich so entschiden zu sein, wie er is, aber er hat
eim andren menschen den hals aufgeschlitzt. Und bevor er es wider tut, erklär
ich ihn für verrückt. Jeder mensch hat seine macken, der eine weniger
auffällige, wie kaugummi unter tische zu kleben, andre auffälligere, wie nackt
auf der fussgängerzone laufen und sabbeln. Aber warum soll man sie für verrückt
erklären, wenn sie nimandem schaden? Verrückte menschen sollte man nur die
nennen, die selber nich zurecht kommen oder andren schaden, vor allem töten. Wer
normal spricht und normal reagiert, dafür aber 20 menschenleben auf dem
gewissen hat, wird als normal eingestuft. Was is daran normal, 20 leute zu
töten? Also könnte de richti sagen, menschen die töten sind psychis, und ich
möchte nich, das ich oder meine tochter ihm in einer einsamen nacht begegnen
(das sagt de richti, nich ich - ich hab keine tochter, nich das ich wüsste),
weswegen ich ihn zur lebenslangen sicherheitsverwarung schicke. Er soll
möglichst ein normales leben füren und für sein unterhalt selber aufkommen,
aber hinter gittern.
Bei spionen wollen wir nich nach dem alttestamentarischen prinzip handeln, weil wenn man nämlich behauptet, spione sind böse menschen, müsste man auch westdeutsche spione verurteilen. Also müsste nach dem prinzip der sicherheit gehandelt werden: sind sie uns gefärlich? Können sie für die DDR weiter spioniren? Können sie nich, weil es keine DDR mer gibt.
Markus Wolf wurde
mit vil finanziellem aufwand wegen landesverrats verurteilt, als könnte ein
auslandi (und er war eini) landesverrat gegen die Bundesrepublik betreiben. Als
das DDR-gesetz nich taugte und auch nich höere gesetze, dann halt das westliche
gesetz, gegen alle abmachungen. Das war dann doch etwas zu lächerlich und das
Bundesverfassungsgericht hat das urteil aufgehoben. Belangen konnte man die
leute nur noch wegen taten, die die DDR-verfassung nich erlaubte.
Also bestechung, entfürungen, usw. Als würde jeder nachrichtendienst im ausland nach der eigenen verfassung arbeiten, als wären nich hunderte oder tausende DDR-burgis vom BND bestochen worden. Ich wette meine unterhose das man kein satz im grundgesetz der BRD finden wird, der besagt: "Menschen, die im auftrag der BRD im ausland arbeiten, dürfen bestechen, entfüren und alles tun, was sie zuhause nich tun dürfen." Von entfürungen seitens des BND weiss ich keine, aber der BND hat auch nich seine archive veröffentlicht, und ich habe sogar den verdacht, das er kein großes interesse daran hat. Das aber man mit befreundeten spionen ganz anders umgeet, stet ausser frage. Spione der befreundeten mächte ham auf deutschem boden getötet. Prozesse gegen sie wurden wegen geringfügigkeit eingestellt oder "weil der Wohnort des Agenten nicht feststellbar sei". Und natürlich: westdeutsche burgis, die gegen die BRD spioniert ham, werden weiter nach westdeutschem gesetz verurteilt. Ostdeutsche burgis, die gegen die DDR spioniert ham, werden nich nach ostdeutschem gesetz verurteilt.
Ein andrer aspekt
is die abschreckung: bei einer generalamnestie würden russische spione wie die ameisen
daher kommen und gegen die BRD spioniren. Aber jeder spion weiss doch, das
seine tätigkeit für ein drittland durch die amnestie nich gedeckt wär, vor
allem bezin sich amnestien nie auf zukünftige taten. Ein exempel gegen
diktaturen statuiren? Warum dann auch nich ein sofortigen stopp aller
handelsbeziungen mit ländern, die die todesstrafe am laufenden band verhängen,
wie USA, Iran, China und vilen, vilen andren?
Warum dise unlogische handlung gegen das eemalige ostdeutsche sistem? Nach der wiedervereinigung ham die westdeutschen politikis klar gemacht, was sie wollten: man kann nich ein ganzes volk verklagen, das kostet auch vile stimmen bei dem verklagten volk, also lassen wir die kleinis laufen aber die großis fangen wir. Das gibt stimmen, aber es gibt offensichtlich noch ein stärkeren grund: hass. In disem fall richtet sich der hass nich gegen ein volk, das get in disem falle nich weil drüben auch deutschis wonten, sondern gegen ein gesellschaftssistem und seine betreibis. Über 7000 oberis mussten daran glauben, und das es sovile oberis gab, wusst ich gar nich.
Wenn Gysi in einer
tok-sho meint, zwei plus zwei sind vir, sind sich fast alle andren politikis in
der runde einig: was aus eim politiko kommt, der ein verbrecherisches sistem
vertreten hat, kann kein guter gedanke sein. Als er meinte, die NATO samt
Bundesrepublik Deutschland bricht grade ir eigenes gesetz (angriffskrige sind
nich erlaubt), ham sich sonst ser wenige politikis mit seiner argumentazion
beschäftigt. Der mann is selbst ein verbrecho und gehört eigentlich ins
gefängnis, da muss man nich lange argumentiren. Dabei is Deutschland von
Jugoslavien nich angegriffen worden, also kann man schlussfolgern, das es ein
angriffskrig war. Ich war für den
einsatz im Kosovo, es war in meinen augen eine ausnamesituazion, aber technisch
und juristisch war es ein angriffskrig, oder zumindest kann man es so sen, und
ich kann es nimandem übel nemen, der es so nennt. Trotzdem tut man so, als wär
alles rechtens gewesen, weil man da eventuell in eine rechtliche und
filosofische bredui geraten würde.
Wenn man das politische programm der PDS liest, fällt eim auf, das sie die liberalste politik aller partein vorschlägt. Natürlich nich im wirtschaftlichen sinn. Politikis andrer partein sind sich meistens einig, das das nur lippenbekenntnisse sind. Woraus nimmt man dise sicherheit? Was fürchtet man? Das Gysi in Berlin wider die mauer baun lässt? Das er mit ein par bewaffneten PDS-lern den Reichstag stürmt? Is doch albern. Politikis wandeln sich, wie sich auch partein wandeln. Wären die Kanzler-Helmuts im osten aufgewaxen, hätten sie leicht ein teil der DDR-fürungsrige sein können. Wäre Honecker ein italienischer oder französischer komunist gewesen, wär er höchst warscheinlich nie auf den gedanken gekommen, eine mauer um sein land zu baun. In den ex-komunistischen länder sind immer wider nach der wende komunisten an die macht gewält worden, aber keiner spricht von einer neuen mauer.
Es herrscht halt
ein ganz andres politisches klima. Wenn man die PDS wie eine aussätzige partei
behandeln will, warum auch nich die Ost-CDU- und die Ost-SPD-politikis, die
alle machenschaften drüben mitgemacht ham? Natürlich, sie wurden gezwungen,
mitzumachen, ham fusioniert, wärend die SED aus freien stücken heraus iren
burgis böswillig schaden wollte.
Ja, böswillig. Sie wollten leuten, die so denken wie wir, schaden, also können sie nur böse burschen gewesen sein. Wir schiessen auf flüchtende kriminellis (wenn nich empfolen dann zumindest immer wider geduldet), sie auch, aber sie hatten die falsche definizion von kriminellis, wärend wir die richtige ham. Nachdem auch der Europäische Gerichtshof Krenz verurteilt hat, können sich die westdeutschen politikis auf die schultern klopfen und bestätigen, sie ham keine sigijustiz betriben. Aber is ein westeuropäischer gerichtshof wirklich so neutral, gibt es nur in Deutschland anti-komunisten? Vileicht sollte man die ganze geschichte liber finnischen richtis überlassen, sie wären als burgis eines neutralen (wenn auch eer kapitalistischen) landes vermutlich nich so befangen.
Wo auch immer eine
demokratie eine diktatur ersetzte, man sihe Deutschland nach 1945, Südafrika,
Südamerica und die eemaligen komunistischen staten (wo's auch schüsse gab...)
gab es ein par prozesse, aber die neuen machthabis wollten schnell zur
tagesordnung übergeen.
Das is bestimmt moralisch nich richtig, aber doch politisch verständlich, da vile, die dem alten sistem gedient ham, auch dem neuen dinen, und richtig gut aussortiren is ser schwirig. Hoe moralische ansprüche find ich gut und nötig. Deutsche gründlichkeit kann auch gut und nötig sein. Sie fing aber weder wärend des letzten weltkriges an noch nach ihm, auch nich bei der einhaltung der abmachungen oder bei denen, wo was zu holen is, sondern bei den röchelnden feinden. Bekämpft erstmal die löwen, nich die kleinen zappelnden fische ausserhalb des wassers. Das wird dann heldenhaft sein. Was jetz war und is, is nich heldenhaft und spricht nich für die politik dises landes. Das recht rechts rächt's.
Für das land
spricht, das ich auf der suche nach material über DDR-spionen im internet
'DDR-Spione' eingetippt hab und auf folgende sätze gestoßen bin: "Shop the
web for DDR-Spione" und
"Search for DDR-Spione in your
local yellow pages". Beides hätten die DDR-burgis damals unmöglich
gekonnt.