DER TAG AN DEM DIE PREUSSEN DEN AMAZONAS EROBERTEN

 

Der Kanzler war zu beschäftigt mit Europa. Dazu gabs noch die Sache mit dem bekloppten Außenminister und den steinewerfenden Kühen. Vom Amazonas wollte er kein Wort hören. Der preußische General Siegfried von Stolzensaufen versuchte, ihn davon zu überzeugen, wie wichtig dieses Thema sei: die Entwaldung des Amazonas schritt rasant voran, und außer ein paar Proteststimmen tat sich nichts. Von Stolzensaufen sah, daß nur noch ein Alleingang die Situation retten konnte.

 

Er organisierte eine Flotte mit 500 Fregatten, 50 U-Booten und 400 Tornado-Bombern, und machte sich auf den Weg nach Südamerica. Davon erfuhren der Kanzler und Scharping erst am nächsten Tag aus der Zeitung. Die Invasion an sich war ein leichtes: die wenigen Brasilianer, die am Amazonas leben, wußten nicht, wie ihnen geschieht. Die vielen Brasilianer, die woanders leben, die Regierung inklusive, schauten lieber weg, sonst hätte man ihnen am Ende noch eine gewisse Feigheit vorwerfen können, außerdem war keiner willens, für das ganze Dickicht, das weder Strand noch Diskos anzubieten hat, zu sterben. Es gab Politiker in der Regierung, die das ganze Land gleich mitverkaufen wollten, aber von Stolzensaufen interessierte nur das Amazonasbecken. 

 

Die Nordamerikaner wurden stinksauer, da sie aber noch diskutierten, wer ihr nächster Präsident werden sollte, konnte niemand die Entsendung von Truppen beschließen.

 

Von Stolzensaufen nannte die neue Kolonie Teutsch-Äquatorien. Die Hauptstadt Manaus hieß ab sofort Manaußien. In der Oper durfte man dann nur noch deutsche Komponisten spielen, als Obersänger wurde Placido Domingo importiert. Als der General ihn persönlich am Flughafen abholte und mit eigenen Augen sah, schickte er ihn unverrichteter Dinge zurück nach Deutschland.

 

Als Amtssprache wurde das Teutsch von 1820 eyngeführt mit eynigen kleyneren Verstärkungen. Brasilianer, weysse oder indianische, die untereynander nicht auff teutsch communicirten, wurden ins Erziehungslager geschickt, bey wiederholter Widersetzung entsorgt. Eyne strenge Arbeytseynteylung wurde eyngeführt: die indianer sollten im Urwald Brombeeren pflücken, die weyssen brasilianer durften nichts mehr thun (sie hatten schon genug Schaden angerichtet) und die Teutschen verwalteten das Gantze. Viele brasilianer behaupteten, sie seyen weyss, ihre dunklere Hautfarbe sey nur durch die intensive tropische Sonneneynwirkung erworben. So musste eyne Farbschablone her, wobey man feststellte, dass die sogenannten Rothäute, die Indianer, eygentlich braun waren. Die weyssen brasilianer waren gelb und die weyssen Teutschen rot. Eyne Weysse-DIN-Norm wurde ins Leben gerufen, die Weysse-Eynheyt wurde Wittchen genannt, in eyner skala von 0 bis 10. Jeder, der das Weysse-Mindestmaß von 5 Wittchen nicht erreychte, wurde als indianer deklariert und musste im wilden amazonischen Ur-laub Brombeeren pflücken.

 

Viele unteutsche Wörter wurden eyngeteutscht: 'bananen' hiessen fortan sinngemäß AFFENFRUCHT, piranhas hiessen BÖSEFISCH undt sogar die kokospalme wurde den teutschen Lautverschiebungsgepflogenheyten folgend auff KOCHESPFALME umgetauft. Nicht eynmal die tapire entgingen der Umbennenung und durften nur noch auff den Namen ZAPFIR reagiren. Die brasilianer hatten eynige Schwierigkeyten, sich solche Wörter zu merken.

 

Inzwischen hatte man bemerkt, dass nicht alle brasilianer Schlappschwäntze sindt. In der Millionenstadt Manaußien fanden sich 4 echte machos, die den Teutschen Widerstandt leysten wollten. Sie plazierten 3 Molotow-Hahnenschwäntze (cocktails) an eyner fregatte, leyder sindt diese nicht hochgegangen. Da wurde ihnen clar, dass die brasilianische technologie wohl noch nicht so weydt war. Daher versuchten sie aus Japan funktionirende Molotow-Hahnenschwäntze zu importiren, leyder hatten die Japaner so was nicht mehr. Sony schickte Ihnen zum Trost 4 wokmänner, die für den saund und natürlich fürs Kochen sorgten. Also bestellten die machos dann russische Molotows, aber die wurden nicht geliefert. Während sie darauf warteten, hörten die brasilianischen machos musik undt auss der revolution wurde nichts. 

 

Der Urwaldt wurde erstmal eyngezäunt und dann in 20 quadratische provintzen aufgetheylt. An den Grentzen klappte es nicht mit den quadraten, weyl die pfuschenden südamericaner ungerade Grentzlinien gezogen hatten. Also mussten Theyle der angrentzenden Länder in Anspruch genommen werden, um der Quadratischkeyts-DIN-Norm genüge zu thun. Der general wollte diese provintzen seynen Hauptmännern zutheylen, da er aber nur 19 Hauptmänner hatte, wurde eyn brasilianischer Buchhalter teutscher Abstammung, der grade in der traditionsreychen "Friedas Bar" eyn Bier trank, zum Hauptmann befördert.

 

Die provintzen hiessen EYNS, ZWEY, DREY, VIER! EYNS, ZWEY, DREY, VIER! EYNS usw, wass zwar für eynige Verwirrung sorgte, aber bey der Aufzählung herrlich zum marschieren passte.

 

Die Hauptmänner sollten dafür sorgen, dass in ihren provintzen teutsche ordnung herrschte und dass keyn Baum gefällt wurde. Am teutschen Wesen sollte die Welt genesen, und wenn teutsch, dann natürlich aus Preußen, undt nicht etwa aus Bayern, wo solch alberne Unterhemden verkauft werden, auff denen "Two beer or not two beer - this is the question" draufsteht. DIN-Normen wurden für alles eyngeführt. Die A-Fische durften nicht länger als 10 cm lang und 3 cm breydt seyn, B-Fische nicht länger als 45 cm lang und 10 cm breydt, usw. Fische die länger als 1,10 m waren, wurden auss dem Verkehr gezogen. Piranhas, die Teutsche anfielen, wurden sofort gehängt. Nach DIN-Norm 845 durften krokodile nicht mehr als 2 Malzeyten pro Tag zu sich nehmen, ausserdem wurde ihnen eyne strenge kartoffeldiät verschrieben. Affen wurden ganz verboten, da sie überhaupt nicht zum bruttosocialproduct beytrugen und immer nur herumquietschten.

 

Der Amazonas wurde begradigt. Er wurde zu eyner 5600 km langen graden linie. An den Ufern wurde Bootobahnraststätten mit Bockwurstständen angebracht. Nach DIN Norm 3859 durfte der Abstand zwischen eyner Uferkleyngartenanlage und der nächsten nicht größer als 5 kilometer seyn. Im Fluss überholen durfte man nur noch links. Es wurden für jede Spur Mindestgeschwindigkeyten festgesetzt. Die Zuflüsse durften laut DIN Norm 63458 nur noch im 90°-winkel in den Amazonas münden. Flüsse, die illegal quer eynmünden wollten, wurden gnadenlos ins Meer gekippt.

 

Das eynzige problem war die Versorgung. Da die Nutzung der gantzen region für Anbau und Viehzucht verboten war, musste die Gesellschaft wieder zurück zur alten jäger- und sammlertradition. Da die Teutschen sich mit der amazonischen fauna und flora nicht ausskannten, wollten sie die indianer hinschicken, aber die waren wegk: sie hatten es satt gehabt, Brombeeren zu suchen und keyne zu finden, so dass sie alle ins europäische Teutschland geflüchtet waren. Da die teutschen Behörden meynten, sie brauchen für den Asylantrag eyne Bestätigung des folternden Landes, dass man sie foltern wolle, und der general nich bereydt war, solche Erklärungen zu unterschreyben, waren die indianer gezwungen, in Teutschland geschmuggelte cigaretten zu verkaufen und in Theaterstücken von Karl May aufzutreten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreyten.

 

In Amazonien musste man also die weyssen brasilianer ins Dickicht schicken, die fürchteten sich aber vor den vielen Schlangen und Spinnen, kauften lieber bey McDonalds eyn und brachten den Machthabern umgehend die Fleyschopfergaben. Die Teutschen hatten probleme mit Rindfleysch, so dass McDonalds nur noch Chicken McNuggets producirte, die in Manaußien Hühner Machklumpen hiessen. Dennoch war auch das keyne dauerhafte Lösung, am Ende gab es weder Rind- noch Hundefleysch, alles war verbraucht. McDonalds konnte nur noch pommes anbieten. Die weyssen brasilianer mussten doch in den Urwaldt, um frisches Fleysch zu besorgen, da man zur Eynsicht gekommen war, dass es in Amazonien keyne Brombeeren gibt. Dazu nahmen sie die Molotow-Hahnenschwänze, die von den machos bestellt und nun endlich auss Russland eyngetroffen waren, und liessen sie im Urwald explodiren, um danach die toten Tiere eynzusammeln. Überraschenderweyse fing dabey die gantze region vom Atlantik bis zu den Anden Feuer, die weyssen brasilianer starben eyn qualvollen Tod. Nur Manaußien, wo die meysten Teutschen wohnten, branndte nicht, weyl der Höchstabstand zwischen eynem Feuerlöscher zum nächsten 86 cm betrug, so dass die flammen erfolgreych bekämpft und alle Teutschen gerettet werden konnten. Hunger hatten sie trotzdem, und so gingen sie zu McDonalds um pommes zu essen. Leyder entsprachen eynige davon nicht der Obst- und Gemüseverordnung Nr. 365 (Gämühse darff nicht giftig seyn!), hatten BSE und dagegen waren die Teutschen nicht gerüstet. Am Sterbebett waren General von Stolzensaufens letzte Wordte: "Scheyss-Pommes. Aber was soll's, das Bier war sowieso alle."

 

Inzwischen wehten auch drüben in Europa die winds of chainge: Präsident Putin war jetzt Putout, König Juan Carlos aus Spanien marschierte mit 8 guerrilleros von Barcelona bis Paris, entmachtete Chirac und entfachte damit die französische Käse-Revolution, deren Geruch sich bis nach Finnland ausbreytete. Der Vatican sprach Herrn Stoiber noch zu Lebzeyten heylig und so bekam Bayern mit dem Heyligen Edmund eynen neuen Schutzpatron.

 

Irgendwann merkten eyn paar nicht-amazonische brasilianer, dass die Teutschen keyn Pieps mehr von sich gaben undt schaudten mal wieder am Amazonas vorbey. Sie freudten sich schon, mal wieder so richtig brandrodeln zu dürfen. Es gab leyder nichts mehr zu brennen, es war nichts zu holen. Trotzdem freuten sich die brasilianer, endlich hadten sie viel Kohle.